Patras

von Bernd Holzmann / am 11.06.2019 / in Blog

Jetzt haben wir mal wieder richtig was zu erzählen. Gestern früh in Poros fing der Tag erst mal gut an: mit einem erfrischenden Bad im Meer. Aber dann hat Berit beim Vorbereiten des Frühstücks festgestellt, dass der Kühlschrank nicht mehr lief. Also erstmal Fehlersuche und schlechte Laune! Bei aktuell täglich 35 Grad (Ja, endlich Sommer!) ist das aber wirklich Kacke.
Nach schweißtreibender Arbeit in der Backskiste, fehlgeschlagenem Reparaturversuch und weiterer Suche im Bootsinneren kam ich zu dem Schluss, dass das Bediengerät getauscht werden muss. Wir hatten 3 Segeltage bis Patras eingeplant um da morgen unsere Tochter Nele abzuholen, entschieden, dann aber direkt dahin zu segeln. In der Hoffnung den Kühlschrank da eher reparieren zu können.
Leider war an Segeln nicht zu denken, da null Wind. Für den späten Nachmittag war dann Wind aus Westen angekündigt, der uns die 2. Hälfte schön geschoben hätte. Wir können bei günstigen Bedingungen 5 Seemeilen in der Stunde segeln. Bis Patras waren es 45. Unter Motor schaffen wir 5-6. Also ein langer Tag an dem uns der stinkende Diesel schiebt.
Es ging gut los. Spiegelglatte See. Ein Foto hängt unten an. Da es so heiß ist stoppen wir 2 mal um mitten auf dem Meer baden zu gehen. Cool.
Irgendwann später plötzlich Wind. Viel Wind. Und ordentliche Wellen. Leider entgegen der Vorhersage genau aus Richtung Patras! Die Wellen waren so stark, dass wir teilweise nur noch 1 Knoten (1 Seemeile pro Stunde) voran kamen. Dazu ständig überkommendes Wasser wenn das Boot in die Welle eintauchte. Das flog bis nach hinten ins Cockpit. Alles nass, aber warm. Die Sonne schien. Kein Problem.
Gerade als ich die GoPro laufen hatte um das stampfende Schiff zu filmen, trieb die erste von 2 Schildkröten an uns vorbei und schien uns zu winken! Der Dude! Wir waren happy!
Etwa 1,5 Stunden vor Patras dreht der Wind etwas und die Wellen liesen nach, so dass wir doch noch segeln konnten. Kurz nach dem wir die Segel gesetzt hatten rief uns ein britischer Katamaran über Funk und zollte uns Respekt, dass wir uns mit dem kleinen Schiff so durch die Wellen gekämpft haben. Er war uns schon ne Weile gefolgt. Wir immer noch happy!
Endlich, abends um 21:30 erreichten wir Patras. Griechenlands drittgrößte Stadt. In meinem Hafenführer steht was von einer schönen Marina und wir freuten uns auf ne Dusche, leckeres Essen, ein paar Bier und ne ruhige Nacht!
Die Marina sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag! Foto anbei. Die Stege sind total kaputt und es stehen Schilder da, die Anlegen verbieten! Und sofort kam ein aufgeregter Herr angerannt und sagte uns, wir sollen in den alten Hafen etwas südlicher. Ok, hört sich romantisch an. Wir drehen.
Der alte Hafen war aber der alte Fährhafen, wo früher Kreuzfahrtschiffe angelegt haben. Kaimauern habe die Höhe von etwa 2 m, also 1,5 m oberhalb unseres Decks! Der Hafenfuzzi gibt uns ein Brett auf dem wir auf allen Vieren nach oben klettern können. Strom und Wasser gibt’s auch. Alles zusammen für 66€ für 2 Nächte. Und das wo in Griechenland sonst die meisten Häfen kostenlos sind.
Naja, wir hatten keine Wahl und waren fest. Jetzt duschen?! Gibt’s nicht. Auch keine Toiletten.
Ok, dann an Bord schick machen und Essen gehen. Das hatten wir uns nun verdient.
Als Berit im Bad war, stellte sie fest, dass dort alles nass war. Und unser Bett auch! Total voll Salzwasser! Offenbar war die Luke nicht richtig verschlossen (wir sind bei Flaute los) und ist in den Wellen immer hochgeklappt und das überkommende Wasser ist ins Bett geströmt.
Super! Neuer Plan für den Abend: Schiff entsalzwassern, Bettzeug, Matratzen, etc. spülen und zum trocknen aufhängen. Die Aktion dauerte bis 23:30! Dann Abendessen: Bier mit Chips und ab ins Bett. Was für ein Tag!

Und heute lief dann alles wieder. Wir konnten:
– doch einen Liegeplatz in der Marina bekommen, nachdem wir den Hafenmeister Jorgos überredet haben. Im alten Fährhafen ist das mit dem kleinen Schiff unmöglich. Siehe Foto mit der auf dem Boot aufgehängten Wäsche und beachte den Höhenunterschied zwischen Boot und Kai.
– Bettwäsche waschen lassen
– etwas Patras ansehen. Eine sehr lebendige Stadt mit vielen sehr schönen Cafés und Bars. Und sehr, sehr freundlichen Menschen
– von einem Bootselektriker bestätigt bekommen, dass meine Fehleranalyse Kühlschrank richtig war und wir das Bedienelement tauschen sollten. Das neue bekommen wir wohl in Athen, wo wir in ca 1 Woche sein wollen und ich es bereits bestellt habe. Und apropos Kühlschrank, wegen dem wir überhaupt diese Gewaltfahrt gemacht haben: gestern Abend, kurz bevor wir zu Bett gingen, lief der wieder und läuft auch jetzt noch. Verrücktes Ding!

Und noch etwas schön skurriles haben wir heute gefunden: den wunderschönen Werkzeugladen auf zwei der Fotos. Voll bis unter die sehr hohe Decke mit schönstem Werkzeug und das Inhaberehepaar, er sitzt an der Kasse neben der Tür und sie steht daneben, spricht deutsch, denn sie ist Schweizerin. Aber nicht irgendeine, sondern sie ist die Honorarkonsulin in Patras! Und das Honorarkonsulat ist dieses Geschäft. Daher das Schweizer Wappen ganz oben über dem Eingang. Sie sagt sie sei da gut ausgestattet mit allem was sie so brauche. So schön!

Bis die Tage!
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